Wir alle, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, sind mehr oder weniger Symptomträger eines beschleunigten und auf unterschiedlichen Ebenen immer komplexer werdenden Lebens in einer Konsum- und Leistungsgesellschaft.

 

Tagtäglich müssen wir eine Reihe von Entscheidungen treffen und eine Vielzahl an Herausforderungen bewältigen.

 

Die vorherrschende Reizüberflutung, verbunden mit einer hohen Ablenkbarkeit, sowie permanente kognitive Verarbeitungs- und Bewertungsprozesse führen zunehmend zu einer körperlich-mentalen Daueranspannung, zu chronischem Stress.

 

Wir stehen unter Druck. Selbst in unserer Freizeit muss es oft höher, schneller, weiter gehen.

 

Wir sind überall und nirgends, aber nur selten wirklich präsent im gegenwärtigen Augenblick. Mit erheblichen Konsequenzen für unsere Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit. Und für unsere psychische und physische Gesundheit.

 

 

"Die Art und Weise, in der wir unsere Aufmerksamkeit auf etwas richten,

macht den Unterschied zwischen Au und Wow."

(Isaac Shapiro)

 

  

Die Qualität unserer Aufmerksamkeit, also eine bestimmte Art und Weise, die Aufmerksamkeit auf unsere Wahrnehmungen zu lenken, hat direkten Einfluss auf unser Wohlbefinden: auf den Umgang mit uns selbst, mit anderen Menschen, mit unserem Leben.

 

Achtsamkeit ist eine bestimmte Form der Aufmerksamkeit: eine geistige Fertigkeit, die uns hilft, mit privaten oder beruflichen Herausforderungen angemessen umzugehen sowie unsere Lern- und Lebensqualität zu steigern:

ganzheitlich, ressourcenbezogen und lösungsorientiert.

 

 

In dem von Shinzen Young entwickelten Achtsamkeitsansatz Unified Mindfulness, den ich selbst praktiziere und unterrichte, wird Achtsamkeit definiert als „[…] ein Zusammenwirken von drei sich gegenseitig verstärkenden Aufmerksamkeits-Fertigkeiten“ (Shinzen Young, USA 2011), nämlich:

 

 

Konzentration, Klarheit und Gelassenheit.

 

 

Diese drei geistigen Fertigkeiten sind erlernbar und können in einem entsprechenden Achtsamkeitstraining entwickelt und vertieft werden. Die personale Ressource der Achtsamkeit wird aktiviert durch bestimmte Techniken, mit denen unser Level an Konzentration, Klarheit und Gelassenheit erhöht wird. Mithilfe dieser Techniken ist Achtsamkeit auch in zahlreichen Situationen in Alltag und Beruf trainierbar.

 

Achtsamkeitstraining ist ein Geistestraining. Oder anders formuliert: Wenn wir Achtsamkeit trainieren, dann stemmen wir geistige Hanteln, wir trainieren sozusagen unseren Aufmerksamkeitsmuskel.

 

Die qualitative Entwicklung unserer Achtsamkeit, d. h. das systematische Training unserer Aufmerksamkeitsfertigkeiten von Konzentration, Klarheit und Gelassenheit, ist erwiesenermaßen ein hilfreicher Ansatz, der mit der Zeit Folgendes bewirkt:

 

● Reduzierung von physischem oder emotionalem Leiden

● Zunahme an physischem oder emotionalem Wohlbefinden

● tieferes Verständnis des eigenen Selbst

● positive Veränderungen im eigenen objektiven Verhalten

● liebevolle und unterstützende Haltung gegenüber Dritten

                           (Shinzen Young, USA 2011)

 

 

Achtsamkeit ist eine wertvolle Kraftquelle, die jeder in sich selbst (wieder) finden und durch Training entwickeln kann: mit kompetenter Begleitung und regelmäßiger Übung. Aber vor allem mit der eigenen Bereitschaft zum Anfangen.

Um diese innere Ressource auch dann nutzen zu können, wenn es darauf ankommt: im alltäglichen Leben.